Sonntag, 26. Dezember 2010

Fröhliche Weihnachten!

Etwas spät kommt die Botschaft von uns auch noch einmal in Blogform. Wir hoffen ihr könnt das ganze festliche Essen durch exzessives Geschenkeauspacken wieder von den Hüften vertreiben und wappnet euch schon fleißig fürs neue Jahr.
Wir feiern dieses Jahr zwar nur bedingt, dafür haben wir heute ganz besonderes für euch. Gleich zwei neue Blogs sind online plus das lustige Heike Special!





Genießt, was ihr noch von Weihnachten habt und trinkt einen Wein für uns mit, denn der ist hier unsagbar teuer. Wir wünschen euch derweil besseres Wetter.

Liebe Grüße aus Koh Samui

Heike und John

Wellington - mitten im Nirgendwo

Auf der Fähre machen wir es uns erstmal gemütlich und da sie nicht besonders voll ist tun wir es den anderen gleich und legen uns auch einfach quer auf Bänke, lesen ein wenig und dösen. Gute Entscheidung, denn Wellington ist zu Anfang erst einmal stressig. Es stellt sich heraus, dass es kein einziges Backpacker mit einer guten Bewertung gibt (natürlich nehmen wir als gewissenhafte Reisende den BBH-Guide, in dem alle Backpacker verzeichnet sind, sogar mit ins Bett). Das Hostel, dass wir hier beziehen ist gleichzeitig das mit den miesesten Bewertungen in ganz Wellington. Der Grund dafür ist leicht geklärt, es bietet einen Parkplatz. Das ist das zweite Problem hier, Parkplätze sucht man vergebens. Ein heißer Tipp also für alle die vorhaben nach Wellinton zu pilgern: besorgt euch erst ein Auto, wenn ihr die Stadt verlassen wollt. Wellington ist nämlich überschaubar. Insofern man einigermaßen in der Nähe des Stadtzentrums residiert ist so gut wie alles zu Fuß zu erreichen. Wir mussten nur einmal mit Cable Car und Bus zur thailändischen Botschaft um uns Visa zu besorgen.  Wen also ein paar Hügel ( hier erneut das leidvolle Seufzen meiner Mutter einblenden) nicht abschrecken, der ist per pedes glücklicher als mit dem Auto.
Wir steigen also im Maple Lodge ab. Und nach dem Gespräch mit dem freundlichen, rothaarigen Engländer, der hier an der Rezeption bedient ist es noch nicht mal das mieseste Backpacker allerzeiten. Zumindest was unsere Mitbewohner angeht. Er sei mal, so erzählt er uns, zusammen mit einem Freund in einem Backpacker abgestiegen und am Folgetag wäre ein Amerikaner in ihr Zimmer gewechselt. Dieser erklärte den beiden, dass hinter den Plastikvorhängen der Gemeinschaftsduschen Leute geschlachtet werden. Des weiteren meinte er nach einem Blick aus dem Fenster, dass er nach der Polizei Ausschau halte, die einen kontrollieren könne, indem sie einem Pepperonis ins Gehirn sendet.
Ich schau ihn an und bin froh, dass wir bis jetzt nur einer abergläubischen Engländerin begegnet sind, die nahezu panisch die Treppe raufgelaufen ist, damit wir nicht auf eben dieser unsere Wege kreuzen.
Am Abend gucken wir noch Black Dynamite und ich denke unwillkürlich: willkommen im Irrenhaus.


Am nächsten Tag versuchen wir was von der Kultur- und Hauptstadt Neuseelands mitzubekommen. Wir haben uns deswegen entschlossen uns zwei Museen anzuschauen, einmal das Tattoo Museum und dann das Te Papa Tongarewa (Museum of New Zealand). Wir brechen auf und sind froh, dass wir gute Regenjacken gekauft haben. Gut eingepackt latschen wir also einmal quer durchs Zentrum und versuchen das Tattoo Museum ausfindig zu machen. Bei Nachfragen stellt sich allerdings raus, dass es vor einem halben Jahr geschlossen wurde. Enttäuscht geben wir auf und kommen an einem Musikgeschäft vorbei. Und da sehen wir im Schaufenster das Notenheft zum irischen Film Once.
Da wird nicht lange gefackelt. Wir also rein und schon nach kurzem ist meine Mum in ein Gespräch mit dem Verkäufer verwickelt, der ausgesprochen gut Deutsch spricht, während ich zwei Lapsteel Gitarren aus den 20er Jahren ausprobiere. Der kulturelle Nachmittag ist gegessen, aber zumindest sitzen wir im Trockenen und haben nette Gesellschaft.

Somit haben wir unsere kulturellen Verpflichtungen in keinster Weise erfüllt und brechen dennoch gen Waipukurau auf, um nicht mehr im hässlichen Maple Lodge schlafen zu müssen.  Und tatsächlich kommen wir nach einer Fahrt durch die Berge in einem komplett anderen Backpacker unter. Es ist eine Farm im Nirgendwo in der außer uns nur ein junger, stiller Ire übernachtet. Lange bleiben ist allerdings auch hier nicht drin, weil es einfach viel zu kalt ist.
Es geht also weiter nach Napier. Wer auf Jugendstil steht, der sollte sich dieses kleine Städtchen auf keinen Fall entgehen lassen.  Wir gehen Kaffee trinken und machen einen Abstecher an den Strand.


Leider stellt sich raus, dass wir kein Zimmer mehr bekommen können. Wir schauen also, was wir noch in Angriff nehmen können. Sophie hatte uns noch einen schönen Ort empfohlen, an dem sie mal mit Delfinen geschwommen war. In Mahia an der Ostküste, waren sie aufgetaucht und Sophie ist ihnen entgegengeschwommen. Als wir dort ankommen stellen wir wieder fest, dass wir im Nirgendwo gelandet sind. Es erinnert ein wenig an Dänemark außerhalb der Saison. An sich schön, sehr windig mit vielen Ferienhäusern.
 Da wir aber noch den halben Tag vor uns haben wollen wir noch weiter schauen und beschließen bis nach Opotiki zu fahren. Das liegt wiederum an der Nordküste, was bedeutet, dass wir noch mal durch die Berge dürfen. Unterwegs fällt uns auf, dass wir dringen mal Tanken müssen. Kein Problem: Navi angeschaltet und nach der nächsten Tankstelle gesucht - 40km, das sollten wir schaffen. Dumm nur, dass genau diese Tankstelle geschlossen ist. Es gibt zwar einen Automaten, aber mit normalen Kreditkarten kommt man da nicht weiter.
Also was tun? Wir entschließen uns nach einem Ort zum Übernachten umzuschauen. Keine hundert Meter weiter ist auch eine Mischung aus Pub und Hotel. Am Tresen bestellen wir erstmal zwei Ginger Beer (ist natürlich alkoholfrei) und erzählen der Bedienung von unserer Misere. Alles kein Problem, bekommen wir da zu hören. Sie will nur kurz wen anrufen, der eine Karte für den Automaten hat. Wir könnten ihm dann einfach das Geld so geben.
2 Stunden später, es ist mittlerweile 9 Uhr und somit dunkel, kommt ein freundlicher Mann in den Pub, der uns zügig beim tanken hilft und uns mit einem Augenzwinkern verspricht uns holen zu kommen, sollten wir dennoch unterwegs liegenbleiben. Na dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Invercargill - Picton

Auf der Fahrt nach Roxburgh, in dem Warwick (Worick ausgesprochen) sich niedergelassen hat, geschieht eigentlich nicht viel, abgesehen davon, dass ein paar Leute Büsche anzünden. Ist mal was Anderes.

Roxburgh selbst macht auch nicht viel her, schließlich besteht es nur aus einer recht langen Straße. Warwicks Haus hat dann allerdings gleich die erste Überraschung für uns parat. Es liegt am Ende einer Auffahrt deren Steigung gefühlte 45° sind. Ich geh also vor und meine Mutter holt erstmal tief Luft. Und obwohl es reibungslos klappt ist meine Mutter gar nicht begeistert. Gut, wer jahrelang mit einer kaputten Handbremse gefahren ist und so seine Erfahrungen gemacht hat, darf das.
Der Hauch schlechter Laune hält sich aber eh nicht lange, denn nun kommt uns Warwick entgegen der vermutlich der Inbegriff des englischen Gentlemans wäre, wenn er nicht einen so sarkastischen Humor hätte. Wir sind sofort begeistert.
Man merkt ihm an, dass er die Rolle des Entertainers gewohnt ist und so erzählt er uns aus seinem Leben, zeigt uns das Haus und stellt uns auch gleich vor. Nicht seiner Lebensgefährtin, die gerade für ein paar Tage nach Dunedin gefahren ist, sondern Buddy, einem übergroßen schwarzen Kater. Man kann sich vorstellen, womit meine Mutter den Großteil des Aufenthalts beschäftigt ist.

Anschließend wird für uns gekocht, während wir, aus der Küche verbannt, den Garten bewundern. Die Aussicht ist wunderschön und man merkt, dass die Beete, die direkt am steilen Abhang angelegt sind, mit viel Aufwand gepflegt werden.
Zum Essen - Kartoffeln, Gemüse und Würste von denen wir keine Ahnung haben was sie beinhalten- gibt es Wein und Jazz von einem Musiker der aussieht wie Ende 30, allerdings 60 ist und jedes Lied mit “ one,  two, ah, ah, ah, ah” einzählt.

Bevor wir am nächsten Tag losfahren besprechen wir noch die Route die uns an mehreren Seen vorbeiführt. Einer davon soll “sehr blau” sein. Fanden wir nicht sonderlich spektakulär, bis wir tatsächlich davor standen.
Wenn das nicht wirklich sehr blau ist.
Nach dieser kurzen Verschnaufpause, kämpfen wir uns bis nach Christchurch durch, wo wir Freude strahlend von William begrüßt werden. Zu unserem Glück hat er wieder Platz für uns, denn nachdem wir seine ersten Couchsurfer waren bekam er am laufenden Band Anfragen und war damit gut beschäftigt während unserer Abwesenheit. Christchurch ist nun mal ein sehr beliebtes Reiseziel, was wir voll und ganz nachvollziehen können. Es ist nicht besonders reich an Sehenswürdigkeiten, aber einfach Kaffee trinken gehen, das Wetter genießen ist vollkommen genug. Und manchmal wird man von netten Kleinigkeiten überrascht.
Eine weitere Überraschung hat William parat. Am nächsten Abend kommt ein Musiker vorbei um mit ihm zu jammen, wozu ich herzlich eingeladen bin. Wie sich dann herausstellt kennen wir uns und zwar von der Open Mic Night vor 1 ½ Wochen. Wir hatten nacheinander gespielt und er hatte nach einer erstaunlich guten Ray Charles-Nummer angefangen Bodo Wartke zu spielen.

Man kann sich vorstellen, dass ich am anderen Ende der Welt mit so was am wenigsten gerechnet hatte. Entsprechend überrascht bin ich in hier wiederzusehen. Genau wie ich hat er auf seiner Reise wenig Möglichkeiten zum Musikmachen mit anderen gehabt. Jaja, die Sucht.

Schweren Herzens trennen wir uns am nächsten Tag ein zweites Mal von Christchurch und versprechen feierlich, dass es nicht das letzte Mal ist, dass wir uns begegnen. Und wenn nicht hier, dann in Deutschland.

Um von der Süd- auf die Nordinsel zu kommen, ist der einfachste Weg der mit der Fähre. Von Picton aus schaffen insgesamt 3 Firmen täglich hunderte Passagiere und Fahrzeuge übers Wasser nach Wellington und umgekehrt. Wir haben uns für Interislander entschieden. Ausschlaggebend für die Reservation waren die vernünftigen Preise…und vielleicht auch die putzige Startanimation auf der Homepage, in der abgesehen von diversen Fahrzeugen auch der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten auf das Schiff fährt.
Wir müssen also in den nächsten Tagen bis nach Picton kommen um unsere Fähre zu bekommen. Auf dem Weg nach Norden durchqueren wir Kaikoura. Hier hatten Katherine und Leah für längere Zeit gearbeitet. Katherine- oder Kadde- ist eine gute Freundin von mir, die mit Leah im Gepäck für Travel und Work nach Neuseeland geflogen ist. Und wo wir beide schon mal in Neuseeland sind, haben wir natürlich den festen Vorsatz mitgenommen uns da zu treffen. Und das in dem weiter nördlich gelegenen Blenheim.
Blenheim ist ähnlich wie Invercargill, was bedeutet dass es, wenn auch nicht hässlich, eher langweilig ist. Und da Kadde auf ihrem Handy nicht erreichbar ist, und somit detailliertere Absprachen zum Treffen ins Wasser fallen, beschließen wir gleich nach Picton durchzufahren. Gute Entscheidung, denn das Hostel, das wir uns hier ausgesucht haben ist nicht nur ruhig und nett gelegen, sondern bietet abends auch noch kostenfreie Eiscreme mit heißem Schokopudding! Als sich Kadde kurze Zeit später meldet ist alles perfekt. Sie und Leah werden uns am nächsten Tag zur Fähre begleiten.
Wir stehen also zeitig auf, packen unsere Sachen und pünktlich zum Frühstück stehen die beiden Damen auch schon auf dem Parkplatz. Vorgefahren mit einem niedlichen Kleinbus, stilecht mit Matratze ausgestattet. Man wird einander vorgestellt, es wird was gegessen und dann müssen wir auch schon los.
Am Hafen geben wir dann unser Auto ab und versuchen vorab zu klären, ob von Wellington aus ein Weiteres zu bekommen ist. Das zwar nicht, aber wir machen einen anderen Deal. Ein Auto muss zum Verkauf nach Auckland. Für das Auto müssen wir deswegen nichts bezahlen, stattdessen aber das Fährticket übernehmen. Fairer Deal. Wir gehen noch was zusammen trinken, während das Auto fertig gemacht wird und müssen uns anschließend ziemlich beeilen um auf die Fähre zu kommen. Die Lade senkt sich und Mum stöhnt auf. Schon wieder ein steiler Anstieg! Aber schließlich ist auch das erledigt, wir gehen an Deck und freuen uns auf Wellington.