Auf der Fähre machen wir es uns erstmal gemütlich und da sie nicht besonders voll ist tun wir es den anderen gleich und legen uns auch einfach quer auf Bänke, lesen ein wenig und dösen. Gute Entscheidung, denn Wellington ist zu Anfang erst einmal stressig. Es stellt sich heraus, dass es kein einziges Backpacker mit einer guten Bewertung gibt (natürlich nehmen wir als gewissenhafte Reisende den BBH-Guide, in dem alle Backpacker verzeichnet sind, sogar mit ins Bett). Das Hostel, dass wir hier beziehen ist gleichzeitig das mit den miesesten Bewertungen in ganz Wellington. Der Grund dafür ist leicht geklärt, es bietet einen Parkplatz. Das ist das zweite Problem hier, Parkplätze sucht man vergebens. Ein heißer Tipp also für alle die vorhaben nach Wellinton zu pilgern: besorgt euch erst ein Auto, wenn ihr die Stadt verlassen wollt. Wellington ist nämlich überschaubar. Insofern man einigermaßen in der Nähe des Stadtzentrums residiert ist so gut wie alles zu Fuß zu erreichen. Wir mussten nur einmal mit Cable Car und Bus zur thailändischen Botschaft um uns Visa zu besorgen. Wen also ein paar Hügel ( hier erneut das leidvolle Seufzen meiner Mutter einblenden) nicht abschrecken, der ist per pedes glücklicher als mit dem Auto.
Wir steigen also im Maple Lodge ab. Und nach dem Gespräch mit dem freundlichen, rothaarigen Engländer, der hier an der Rezeption bedient ist es noch nicht mal das mieseste Backpacker allerzeiten. Zumindest was unsere Mitbewohner angeht. Er sei mal, so erzählt er uns, zusammen mit einem Freund in einem Backpacker abgestiegen und am Folgetag wäre ein Amerikaner in ihr Zimmer gewechselt. Dieser erklärte den beiden, dass hinter den Plastikvorhängen der Gemeinschaftsduschen Leute geschlachtet werden. Des weiteren meinte er nach einem Blick aus dem Fenster, dass er nach der Polizei Ausschau halte, die einen kontrollieren könne, indem sie einem Pepperonis ins Gehirn sendet.
Ich schau ihn an und bin froh, dass wir bis jetzt nur einer abergläubischen Engländerin begegnet sind, die nahezu panisch die Treppe raufgelaufen ist, damit wir nicht auf eben dieser unsere Wege kreuzen.
Am Abend gucken wir noch Black Dynamite und ich denke unwillkürlich: willkommen im Irrenhaus.
Am nächsten Tag versuchen wir was von der Kultur- und Hauptstadt Neuseelands mitzubekommen. Wir haben uns deswegen entschlossen uns zwei Museen anzuschauen, einmal das Tattoo Museum und dann das Te Papa Tongarewa (Museum of New Zealand). Wir brechen auf und sind froh, dass wir gute Regenjacken gekauft haben. Gut eingepackt latschen wir also einmal quer durchs Zentrum und versuchen das Tattoo Museum ausfindig zu machen. Bei Nachfragen stellt sich allerdings raus, dass es vor einem halben Jahr geschlossen wurde. Enttäuscht geben wir auf und kommen an einem Musikgeschäft vorbei. Und da sehen wir im Schaufenster das Notenheft zum irischen Film Once.
Da wird nicht lange gefackelt. Wir also rein und schon nach kurzem ist meine Mum in ein Gespräch mit dem Verkäufer verwickelt, der ausgesprochen gut Deutsch spricht, während ich zwei Lapsteel Gitarren aus den 20er Jahren ausprobiere. Der kulturelle Nachmittag ist gegessen, aber zumindest sitzen wir im Trockenen und haben nette Gesellschaft.
Somit haben wir unsere kulturellen Verpflichtungen in keinster Weise erfüllt und brechen dennoch gen Waipukurau auf, um nicht mehr im hässlichen Maple Lodge schlafen zu müssen. Und tatsächlich kommen wir nach einer Fahrt durch die Berge in einem komplett anderen Backpacker unter. Es ist eine Farm im Nirgendwo in der außer uns nur ein junger, stiller Ire übernachtet. Lange bleiben ist allerdings auch hier nicht drin, weil es einfach viel zu kalt ist.
Es geht also weiter nach Napier. Wer auf Jugendstil steht, der sollte sich dieses kleine Städtchen auf keinen Fall entgehen lassen. Wir gehen Kaffee trinken und machen einen Abstecher an den Strand.
Leider stellt sich raus, dass wir kein Zimmer mehr bekommen können. Wir schauen also, was wir noch in Angriff nehmen können. Sophie hatte uns noch einen schönen Ort empfohlen, an dem sie mal mit Delfinen geschwommen war. In Mahia an der Ostküste, waren sie aufgetaucht und Sophie ist ihnen entgegengeschwommen. Als wir dort ankommen stellen wir wieder fest, dass wir im Nirgendwo gelandet sind. Es erinnert ein wenig an Dänemark außerhalb der Saison. An sich schön, sehr windig mit vielen Ferienhäusern.
Da wir aber noch den halben Tag vor uns haben wollen wir noch weiter schauen und beschließen bis nach Opotiki zu fahren. Das liegt wiederum an der Nordküste, was bedeutet, dass wir noch mal durch die Berge dürfen. Unterwegs fällt uns auf, dass wir dringen mal Tanken müssen. Kein Problem: Navi angeschaltet und nach der nächsten Tankstelle gesucht - 40km, das sollten wir schaffen. Dumm nur, dass genau diese Tankstelle geschlossen ist. Es gibt zwar einen Automaten, aber mit normalen Kreditkarten kommt man da nicht weiter.
Also was tun? Wir entschließen uns nach einem Ort zum Übernachten umzuschauen. Keine hundert Meter weiter ist auch eine Mischung aus Pub und Hotel. Am Tresen bestellen wir erstmal zwei Ginger Beer (ist natürlich alkoholfrei) und erzählen der Bedienung von unserer Misere. Alles kein Problem, bekommen wir da zu hören. Sie will nur kurz wen anrufen, der eine Karte für den Automaten hat. Wir könnten ihm dann einfach das Geld so geben.
2 Stunden später, es ist mittlerweile 9 Uhr und somit dunkel, kommt ein freundlicher Mann in den Pub, der uns zügig beim tanken hilft und uns mit einem Augenzwinkern verspricht uns holen zu kommen, sollten wir dennoch unterwegs liegenbleiben. Na dann kann ja nichts mehr schief gehen.
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