Frisch in Bangkok haben wir gleich das Glück uns wieder mit einem Taxifahrer anlegen zu können. Unser Ziel ist das Malaysia in der Nähe vom Lumpini-Park, das wir erst auf Umwegen erreichen. Das der Fahrer nur nach Gutdünken versteht, was wir von ihm wollen wundert uns dank des eingeschalteten Taxameters wenig. Aber immerhin kommen wir an. Der Empfang ist freundlich und das Zimmer ist gut. Und wenn man sich ein wenig umschaut erkennt man auch gleich, wofür das Hotel bekannt ist: Schwule. Im Reiseführer groß erwähnt und vor Ort tatsächlich markant. Vor allem am Pool setzt sich der männliche Gast in kurzem Höschen in Pose. Der wurde auch gleich Tuntentoaster getauft. Gegen Sarkasmus sind wir nun mal nicht gefeit.
Am nächsten Tag kaufen wir uns Karten für die Metro und den Skytrain und fahren ins Zentrum. Hier gibt es diverse große Einkaufszentren nebeneinander. Wir gehen ins erstbeste, das Siam Paragon.
Neben Brot und Käse (Toast und Ei hatten wir endgültig satt) haben wir uns in der Buchhandlung Nancy Chandlers Bangkok Map besorgt. Die wurde im Reiseführer empfohlen, ist kunterbunt und enthält allerlei Wissenswertes. Im Untergeschoss vom Einkaufszentrum befindet sich übrigens Ocean World, wo man neben echten Tieren auch noch diese putzigen Gestalten rumlaufen und tanzen sieht.
Wir hatten jedenfalls keine Skrupel danach im Fuji rohen Fisch zu bestellen.
Am nächsten Tag wollen wir zur Botschaft von Sri Lanka. Da es in Wellington keine gab müssen wir nun hier unser Visum beantragen, damit wir überhaupt so lange in Sri Lanka bleiben können wie wir es geplant hatten. Das Glück ist uns hold, denn wir treffen eine Viertelstunde vor Feierabend ein, der um 12 Uhr mittags beginnt. Hinzu kommt, dass wir den Botschafter höchst persönlich kennenlernen. Der erzählt uns, dass er schon häufiger in Deutschland gewesen ist, hauptsächlich Berlin und gibt uns noch ein paar Empfehlungen für seine Heimatinsel mit auf den Weg. Währenddessen werden unsere Visa ausgestellt und nach einer Stunde können wir damit die Botschaft verlassen.
Dann probieren wir das Taxi anderer Art. Mithilfe vom Wassertaxi fahren wir nach Banglampoo, was im Westen von Bangkok liegt. Hier gibt es laut Nancy Chandler einen Hippiemarkt, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bei genauerer Betrachtung sind die wirklich individuellen Angebote allerdings in der Unterzahl. Auch hier herrscht wie auf jedem anderen Markt der Einheitsbrei.
Wir entschließen uns nach China Town zu fahren, wo wir später mit Faiz verabredet sind. Faiz kenne ich über Mint, die mal als Austauschschülerin bei mir an der Schule war. Zu dem Treffen bringt sie dann auch noch Earl mit, ihren besten Freund. Keine Panik, mehr Namen werden es erstmal nicht.
Neben Chinatown machen wir auch noch den Suan Lum Night Bazar unsicher. Den Namen muss man sich auch nicht merken, weil er zur Jahreswende abgeschafft wurde. Schade eigentlich, da er bei unserem letzten Aufenthalt in Bangkok voller interessanter Dinge gesteckt hat. Als wir ankommen sind nur noch wenige Läden offen und man kann quasi nur noch beim Sterben zusehen.
Dafür gibt es noch einen riesigen Markt bei Chatuchak. Wir haben allerdings den Fehler gemacht bei strahlenden Sonnenschein da aufzutauchen, was ein Hechten von Schatten zu Schatten zur Folge hatte. Und dann darf man sich Sachen anhören wie “hier ist gerade Winter”.
Mal ganz ab von Märkten landen wir ein paar Tage später mitten in den Feierlichkeiten zum Geburtstag des Königs. Es gibt Feuerwerk, Menschenaufläufe und Kinderchöre, für die tatsächlich der komplette Verkehr angehalten wird, nur damit sie ein Liedchen von 10 Minuten Dauer singen können. Schließlich kommen wir doch bei Faiz und deren Freunden an und gehen in einen Irish Pub um den Tag gebührend zu feiern.Der nächste Tag ist leider weniger angenehm. Meine Mum wacht mit einem Kratzen im Hals auf, dass sich den ganzen Tag hält. Am nächsten Morgen ist es sogar noch schlimmer. Wir rufen den Arzt. Der verschreibt so viele Pillen, das Mum nach der Einnahme ganz zittrig wird. Dass die Rechnung umgerechnet um die 130€ beträgt macht die Sache auch nicht besser. Damit fallen weitere Aktivitäten in Bangkok aus. Als wir den Zug gen Süden nehmen geht’s ihr dafür zumindest halbwegs.
Wir fahren zweiter Klasse (Anmerkung Heike: “Ich will gar nicht wissen, wie die 3. Klasse aussieht), anschließend geht es mit der Fähre weiter. Gefrühstückt wird auf Koh Tao und auf Koh Pangan landen wir nach 18 Stunden Reise endlich in einem Hotel. Hier auf Koh Pangan ist die mittlerweile sehr bekannte Full-Moon-Party, die so erfolgreich ist, dass es auch Half-Moon-Partys, Quarter-Moon-Partys, Poolpartys, mehrere Reinfeierpartys und diverse andere Partys gibt, deren Anlass ich gar nicht wissen will.
Das Epizentrum stellt dabei die Bucht Hat Rin dar. Unser Hotel liegt davon ca. 500 Meter entfernt, allerdings auf der gegenüberliegenden Seite an einer anderen Bucht. Aber auch hier wird Bier zum Frühstück getrunken und wirklich alles und jeder (wir hatten Glück) mit Neonfarbe angemalt. Positiv ist das Restaurant: günstig und mit viel Auswahl.
Lange bleiben wollen wir nicht, weil der Strand klein und dreckig und die Gäste auf Dauer extrem nervig sind. Eigentlich wollten wir uns ja sowieso nach Kaoh Lak, Krabi oder Kho Pipi absetzen. Als wir die Orte im Internet nachschauen stellen wir allerdings fest, dass über die Feiertage kein Zimmer unter 100€ zu bekommen ist. Nur auf Koh Samui, wo wir eigentlich gar nicht hinwollten werden wir fündig. Also auf nach Koh Samui.
Koh Samui ist schnell zusammengefasst. Angekommen, alles super, Hotel leer, netter Strand, plötzlicher Einfall der Russen, Hotel voll, huch schon Weihnachten?, Sylvester mit Rotwein am Strand, Mum ist wieder erkältet.
Außerdem natürlich: Kätzchen!
Und tja dann geht es auch schon wieder nach Bangkok, wo wir mitten in der Nacht ankommen mit zweistündiger Verspätung. Unsere geplante Unterkunft hat schon zu und wir keinen Plan wo wir hinsollen. Zum Glück kann uns aber der Nachbar helfen der uns ein eine Straße weiter ein Zimmer besorgt. Für eine Nacht ist es ok, nur stehen wir beide nicht auf fensterlose Räume.
Am nächsten Tag also der zweite Versuch. Mit Erfolg. Das Ruen Mok Guesthouse gehört Freunden von Faiz, mit deren Sohn sie zusammen Deutsch studiert. Wir werden empfangen wie alte Freunde und bekommen über die Tage diverse thailändische Gerichte und Tee geschenkt. Wir wissen gar nicht, womit wir das verdient haben, geschweige denn wie wir es zurückzahlen sollen. Am Tag vor unserer Abreise werden wir sogar noch in das älteste Lokal von Bangkok eingeladen zum Buffet. Sehr gutes Essen!
Zwei Stunden später wird mir allerdings übel und ich verbinge die meiste Zeit auf der Toilette. Als ich um 2 Uhr nachts, wegen ständigen Erbrechens dehydriert bin, kaum noch laufen kann und friere werde ich ins Krankenhaus verfrachtet. Tony, ein Franzose der geraume Zeit im Guesthouse lebt und für den Besitzer San wie ein Sohn ist, organisiert ein Taxi und wir fahren im Rekordtempo in eine Klinik. Ich werde reingeschoben, wunderbar versorgt und bekomme sogar ein Einzelzimmer. Am Tropf hab ich auch noch nicht gehangen. Ganz neue Erfahrung. Es gibt außerdem Unmengen zu Essen und ab und zu kommt eine Schwester rein, zeigt darauf, sagt: “no eat?” und schüttelt den Kopf. Ich fühl mich wie im falschen Film.
Die Diagnose ist jedenfalls eine Lebensmittelvergiftung. Vermutlich Fisch oder Meeresfrüchte. Beim Buffet war ich anscheinend derjenige der das schlechte Stück abbekommen hat, allen anderen geht es jedenfalls gut. Das ist ja schon mal was.
Am nächsten Tag bekomm ich dann viel Besuch. San und sein Sohn Faim, sowie Faiz und Earl kommen vorbei und wünschen mir eine gute Besserung (Faiz wünscht sich beim Essensaufgebot allerdings auch krank zu sein ). Nach der zweiten Nacht werde ich entlassen, bekomme aber noch eine ganze Wundertüte voller Pillen mit. Jetzt heißt es gesund werden und den Flug nach Sri Lanka neu organisieren. In der Zwischenzeit decken wir uns noch mal mit Brot und Käse ein und machen uns die extra Tage in Bangkok so angenehm wie möglich.
Am 20.01. bekommen wir schließlich einen Flug dank unseres Reisebüros. Knapp, denn unser Visum geht nur bis zum 21. und verlängern wollten wir eigentlich nicht. Knapp ist auch die Geschichte mit unserem letzten Tempelbesuch in Bangkok. Als wir am 20. nämlich aufstehen und zum Frühstück runtergehen, treffen wir auf einen Mann namens Mook. Den haben wir kurz nach unserer Rückkehr von Koh Samui kennengelernt, ist buddhistischer Mönch, dazu noch Rapper und wollte uns unbedingt einen Tempel bei sich zu Hause zeigen. Beim ersten Treffen hatte das nicht geklappt und nun ist er gekommen, die Drohung wahr zu machen.
Gesagt getan, wir fahren los und befinden uns plötzlich in einem Urwald. Mitten in Bangkok. Zumindest laufen einem hier solche Tierchen über den weg.
In diesem Urwald steht auch das Haus in dem Mook mit seinem Vater lebt. Es ist ein interessantes altes Haus, das eher an einen Lagerraum erinnert, weil überall die verschiedensten Dinge rumliegen. Unter anderem diverse Modellboote, die sein Vater baut.
Danach schauen wir uns noch den Tempel an, der zugegeben wenig spektakulär daherkommt, aber aufgrund der Lage angenehm friedlich ist. Als wir vorbeikommen ist tatsächlich außer uns kein Mensch zu sehen.
Danach müssen wir leider zurück ins hektische Leben. Wir fahren noch schnell am Guesthouse vorbei, sammeln unser Gepäck ein, verabschieden uns und fahren gleich weiter zum Flughafen um rechtzeitig da zu sein.
Dann ein neues Problem: wir sind nicht auf den Flug gebucht! Wir wollen einchecken, doch leider ist die Maschine voll und wir gehören nicht zu den Passagieren. Um nach Sri Lanka zu kommen, müssen wir entweder die Business Class für einen späteren Flug buchen, was immens teuer ist oder wir kommen auf eine Warteliste und rücken nach, falls Passagiere absagen. Wir entschließen uns erstmal für die Warteliste und Heike versucht per Telefon das Reisebüro zu Hause zu erreichen. Aus dem Gespräch ergibt sich, dass es anscheinend einen Systemfehler beim Buchen gegeben hat. Schön und gut. Geändert hat das erstmal nichts an unserer Lage. Wir dürfen also warten.
Nach einer Stunde bekommen wir dann endlich gute Nachrichten. Wir haben Plätze für einen Flug um 10 Uhr abends und müssen nicht mal etwas für die Umbuchung bezahlen. Dass der Flug dann letztendlich Verspätung hat und um 11 Uhr fliegt ist uns dann auch egal. Wir können nach Sri Lanka!
Jetzt hält uns nichts mehr auf!
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