Freitag, 12. November 2010

Die Westküste entlang

 Nach den Pupu Springs packen wir unsere Sachen zusammen, verabschieden uns von Sophie und ihrer Familie und steigen wieder ins Auto. Diesmal geht es nach Süden erneut über Berge und dann weiter nach Westen an die Küste, wo wir in einem kleinen Örtchen namens Westport übernachten. Zu sehen gibt es hier nichts, allerdings macht uns ein kleines Schild auf eine Seal Colony aufmerksam nur wenige Kilometer nach Süden. Wunderbar denken wir, da haben wir schon zwei Sehenswürdigkeiten direkt auf unserem Weg. Einmal die Seal Colony und des weiteren die Pancake Rocks.
Hinter diesem appetitlichen Namen wiederum verbirgt sich eine berühmte Felsformation die tatsächlich wie aufeinandergeschichtete Pfannkuchen aussehen soll. Wenn das nichts ist!

Wir also nichts wie los die enge Straße entlang auf der wir fast noch einen Weka mitnehmen, die hier zuhauf auf der Straße rumtoben. Der Weka ist eine der vielen Vogelarten, die anstatt von Säugetieren Neuseelands Erdboden bevölkern.
Ein Weka kurz vor der Seal Colony
 Vorwegnehmen kann ich ja auch schon mal, dass wir keine Kiwis in natura gesehen haben. Viel interessanter wäre für uns allerdings auch der Kakapo gewesen, der einzige Flugunfähige Papagei und vermutlich dümmste Vogel der Welt.

Der Kakapo lebt mittlerweile nur noch auf zwei kleinen Inseln auf die er umgesiedelt wurde, da er auf dem Festland nicht überleben konnte. Grund dafür waren von Menschen mitgebrachte Tiere, die für ihn vermutlich überraschend aggressiv waren. Die normale Reaktion eines Kakapos auf Bedrohung ist, dass er ruhig stehen bleibt - als Schutz gegen fliegen Angreifer, die ihn dadurch schlechter wahrnehmen. Bodenraubtiere hingegen bringt das vermutlich nicht mal zum stutzen.
Eine andere Charaktereigenschaft, die ihm wohl weniger von Nutzen war, ist seine große Neugier. Begegnet man einem Kakapo wird er also entweder ruhig stehen bleiben oder eifrig auf einen zugewatschelt kommen in freudiger Erwartung, dass man sein neuer bester Freund ist.
Falls das noch nicht reichen sollte, gibt es noch sein einzigartiges Balzverhalten. Während der Paarungszeit schafft sich der männliche Kakapo seine eigene Balzarena. Er sucht sich einen Fleck und gräbt eine Kuhle, in die er sich setzt. Und so tiefergelegt fängt er an zu Brummen.
Diese Brummen ist so tief, dass manche Menschen es nicht einmal hören können. Es befindet sich im Infraschall-Bereich, was zwei folgen hat. Die erste ist, dass Kakapoweibchen den Ruf sogar noch kilometerweit entfernt hören können. Die zweite ist, dass sie aufgrund der Tiefe nicht wissen, woher er kommt.
Nachtaktiv ist er übrigens auch noch. Also sitzt er in seiner Kuhle, gut zu hören, schlecht zu sehen und brummt. Diese ganze Geschichte kann dann gut und gerne bis zu vier Monate dauern in deren Verlauf ein Männchen auch mal bis zur Hälfte des Körpergewichts verliert.
Ein Wunder der Evolution.

Aber zurück zu unserer Reise. Bei der Seal Colony steigen wir aus gehen zwei Schritte und sind am Meer. Es ist stürmisch, der Himmel ist grau, aber wir sind am Meer. Das Hochgefühl hält allerdings nur wenige Sekunden, dann ist der Regen wieder da. Ohne einen einzigen Blick auf eine Robbe werfen zu können verziehen wir uns schnell wieder ins Auto und beschließen das nur Weiterfahren Sinn macht. Es kommen ja noch die Pancake Rocks.
Und tatsächlich, wir fahren auf den Parkplatz und auch das letzte bisschen Nieseln verzieht sich. Wir steigen aus, überqueren die Straße und befinden uns vor einem Rundweg.
Wir gehen links rum und sehen den ersten Aussichtspunkt am Ende der Kurve. Wir halten darauf zu und ich bemerke die ersten Tropfen, ich nehme die Kamera erreiche den Aussichtspunkt und muss die Kamera sofort unter meine Jacke in Sicherheit bringen, da der Himmel sich genau in diesem Moment dazu entschließt sämtliche Schleusen zu öffnen.
Zurück im Auto haben wir die Schnauze voll. Wir fahren weiter und bei dem ganzen Regen wird die Laune nicht besser. Wir sind uns einig, dass die Landschaft in der Sonne bestimmt umwerfend wäre, müssen uns aber mit grau in grau zufrieden geben.

Wir kommen nach Greymouth dem bis jetzt größten Ort nach Christchurch und entschließen uns einen Transmitter zu kaufen (ein kleines Gerät mit dem man Lieder seines MP3-Players übers Radio hören kann), damit wir wenigstens gute Musik haben. Denn Radiosender sind in Neuseeland nur in großen Städten zu bekommen. Im Hinterkopf noch die Bemerkung von Sophie und William, dass Greymouth die Redneck-Stadt schlechthin ist meiden wir die Saloons und sind froh, dass der Kauf ohne Schießereien von statten geht.
Im Gegenteil, wir werden sogar nett beraten. Wenn hier das hier die unfreundlichen Rednecks sind, sollte sich kein Neuseeländer nach Deutschland in den Dienstleistungssektor verirren.

Tatsächlich ist Greymouth der Wendepunkt. Im Radio gibt’s jetzt Fink statt Rauschen und die Sonne kommt raus. Manchmal braucht es nur wenig und schon ist man glücklich. Und so fahren wir mit diesem Gefühl weiter genießen die Landschaft bis wir schließlich in Franz Josef ankommen.

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